Gefahr auf Verschleiß – Wenn Vertrauen an der Stoßstange endet

Jeden Tag fahren tausende Kinder mit dem Schulbus. Doch was, wenn die Kontrolle fehlt – und das Vertrauen trügt? Der Pilotbeitrag zur Serie über Sicherheitsmängel im Schülerverkehr beginnt mit einer Szene in Loitz und endet mit einer klaren Frage: Würden Sie Ihr Kind in diesen Bus steigen lassen?

Sep 19, 2025 - 21:28
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Teil 3: Fachliche Prüfung und Aufsichtspraxis – Technik, Kontrolle und Regelwerk
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Teil 3: Fachliche Prüfung und Aufsichtspraxis – Technik, Kontrolle und Regelwerk

Hier wird es konkret. Und unbequem.

TÜV-Berichte aus den vergangenen Jahren sprechen eine deutliche Sprache: Beinahe jeder vierte Schulbus weist erhebliche Mängel auf. Und das betrifft nicht etwa Kleinigkeiten, sondern sicherheitsrelevante Schwachstellen – defekte Türen, rostige Rahmen, fehlende Feuerlöscher. Es sind keine Vermutungen, sondern dokumentierte Fakten. Kein Hörensagen, sondern Prüfprotokolle.

Besonders eindringlich wird das Ausmaß der Nachlässigkeit in einem Gedächtnisprotokoll aus dem Jahr 2025 sichtbar. Dort wird geschildert, wie ein Bus mit offensichtlich defekten Türen unterwegs war, mit einer dauerhaft blinkenden Warnleuchte und ohne funktionstüchtigen Feuerlöscher – während Kinder und Erwachsene mitfuhren. Kinder, die zu den verletzlichsten Mitfahrenden gehören. Kinder, die darauf vertrauen, dass Erwachsene für ihre Sicherheit sorgen.

Der dritte Teil der Serie stellt deshalb gezielt Fragen – an Unternehmer, Fahrer, Prüforganisationen und zuständige Behörden. Wer wusste was? Und vor allem: Wer hat geschwiegen, obwohl er hätte handeln müssen?

Dabei wird eines besonders deutlich: Verantwortung wird nicht klar zugewiesen, sondern weitergereicht. Der Unternehmer verweist auf den Fahrer, der Fahrer auf den TÜV, der TÜV auf die Behörde – und am Ende bleibt die Frage offen, wer tatsächlich eingreift, bevor etwas passiert – Wir fahren: Kreisverkehr.

Verantwortung wird abgeschoben – statt übernommen.

Der Fragenkatalog ist verschickt.
Die Fragen sind gestellt.
Jetzt bleibt nur noch eins:
Wer antwortet?
Wer hebt die Hand – und wann?

Was bleibt?

Ein System, das sich auf Vertrauen stützt, darf nicht gleichzeitig blind gegenüber seiner eigenen Verantwortung sein.

Denn Sicherheit ist kein Gefühl, sie zeugt von Intelligenz.
Sicherheit ist prüfbar – oder, sie ist nicht gegeben.

Wie ist Ihre Reaktion?

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