SNORRI: Smilla und die Heilerin des Waldes

Im Frühlingswald entdeckt Smilla eine verborgene Welt. Mit Snorris Hilfe lernt sie die Sprache der Natur und ihre eigene Bestimmung kennen. Doch dunkle Schatten lauern, bereit, das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur zu stören - Spüre den Puls.

Mar 31, 2024 - 14:59
Mar 31, 2024 - 15:01
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SNORRI: Smilla und die Heilerin des Waldes
Snorri und Smilla sitzen auf einer Bank unter einem Baum, reden und lächeln sich zu.

Es waren die Tage des Frühlings, als Smilla nicht nur im Garten spielte, sondern auch durch den Ort streifte, um die Leute zu besuchen, die sie mochte. Neben Käthe und deren Mutter, deren Wärme und Güte ihr ein Gefühl von Zuhause außerhalb ihres eigenen Hauses gaben, schaute sie bei den Wissenden vorbei, jenen, die die Geschichten und Geheimnisse der Natur verstanden. Zwischen den sonnigen Spielen und dem Lauschen der Vögel, deren Gesang sich wie ein fröhliches Lied durch den Himmel webte, zog es sie immer wieder in den Wald. Ihr Herz zog sie dorthin, denn das Haus ihrer Mutter stand am Rand des Waldes, und die Geheimnisse, die der Wald barg, faszinierten sie immer wieder zutiefst.Smillas Familie, bekannt für ihre tiefe Verbundenheit mit der Natur, hatte schon Generationen vor ihr die Geheimnisse des Waldes geachtet. Doch Smilla spürte, dass es da noch mehr zu entdecken gab, eine tiefere Verbindung, die bisher nur ihr zu offenbaren schien.

"Und gestern," begann Smilla aufgeregt, während sie neben Snorri auf der Bank unter dem Apfelbaum saß, dessen Blüten ein süßes Aroma in die Luft entließen, "war ich auf der Wiese, im Wald, auf einer Lichtung bei den Feen. Und da habe ich eine Frau gesehen, die dir ähnlich sah, mitten im Dickicht des Waldes, wunderschön und geheimnisvoll, nur ohne Rauschebart." Zupfte Smilla,neckisch und mit einem kleinen Augenzwinker, Snorris Bart.

Snorri, dessen Augen bei Smillas Worten zu leuchten begannen, lächelte sanft. "Ja, Smilla, es muss kurz vor Einbruch der Dämmerung gewesen sein. Die Luft wird dann erfüllt vom Duft feuchter Erde und das Zwielicht lässt die Welt in einem magischen Schein erscheinen. Alva, die weise Frau, sammelt in solchen Momenten Kräuter für Ostara, das Fest, das die Erneuerung des Lebens feiert."

Doch Smillas Neugier war nicht zu bremsen. "Was macht die weise Frau Alva mit den Kräutern, die sie sammelt?" fragte sie ungeduldig und legte den Kopf schief. "Und warum konnte ich sie sehen? Bedeutet das, dass ich auch... speziell bin?"

Snorri rieb sich nachdenklich im Rauschebart, sein Blick verlor sich einen Moment im Grün der Bäume, bevor er Smilla wieder ansah. "Vielleicht, Smilla. Es könnte sein, dass auch du eine besondere Gabe hast. Aber über Alva und ihre Kräuter," fuhr er fort, seine Stimme jetzt tiefer und voller Geheimnisse, "sie nutzt sie, um einen Trank zu brauen. Einen Trank, der die Verbindung zwischen uns und der Natur stärkt, uns hilft, die Stimmen des Waldes zu hören und die Sprache der Tiere zu verstehen."

"Aber nicht jeder kann diese Kräuter nutzen, geschweige denn sehen. Dein Herz und deine Seele müssen rein sein, bereit, das alte Wissen zu empfangen und zu ehren."

In diesem Moment begann Snorris Erzählung, die reich an Mythen und Legenden war. Er sprach von fernen Zeiten, als die Menschen noch in tiefer Verbindung mit der Natur standen, von Ostara und der Bedeutung des Frühlings. Seine Worte malten Bilder von blühenden Bäumen und tanzenden Menschen, die gemeinsam die Rückkehr des Lebens feierten.

"Doch in den Schatten lauert das Vergessen, eine stetige Bedrohung, die die Erinnerung an diese heiligen Bande zu löschen droht. Es ist die Aufgabe von wenigen Auserwählten, diese Erinnerung wachzuhalten."

Als Snorri seine Erzählung beendete, legte sich eine Stille über die beiden. Sie saßen schweigend unter dem Apfelbaum, während die Geschichten von Ostara in ihrem Herzen nachhallten. Snorri griff zu einem Apfel, der reif am Baum hing, nahm ihn ab und gab ihn Smilla mit einem Lächeln. "Lauf nach Hause," sagte er sanft. "Bring diesen Apfel deiner Mutter. Er ist ein Zeichen des Neuanfangs und der Hoffnung."

Und während Smilla sich auf den Weg machte, begannen die ersten Vögel zu singen, ein Lied, das die Ankunft des Frühlings verkündete. Die Sonne tauchte die Welt in ein warmes, goldenes Licht, und Smilla wusste, dass sie Teil eines großen, ewigen Kreislaufs war.

In dem Moment, als Smilla sich erhob, um nach Hause zu laufen, schwebten zwei zierliche Täubchen aus dem dichten Geäst des Waldes herab und ließen sich auf dem Ast des Apfelbaumes nieder, gerade über dem Platz, den Smilla soeben verlassen hatte. Ihre sanften Augen schienen Smilla und Snorri für einen Moment zu beobachten, ein stilles Zeichen der Verbundenheit zwischen Mensch und Natur, ein augenblickliches Zeugnis der Harmonie im Wald.

Snorri, der die Bedeutung dieses Moments erkannte, deutete mit einem breiten Lächeln auf die Vögel. "Siehst du, Smilla? Die Tiere des Waldes spüren, wer Teil ihrer Welt ist. Diese Täubchen sind Boten des Frühlings, Zeichen der Erneuerung und des Friedens. Sie zu sehen, gerade jetzt, ist ein gutes Omen."

Smillas Augen leuchteten vor Freude, und sie fühlte eine tiefe Verbindung zu diesen sanften Geschöpfen. "Sie sind so schön," flüsterte sie ehrfürchtig, "es ist, als würden sie mir zum Abschied zuwinken."

"Vielleicht tun sie das ja auch," entgegnete Snorri mit einem verschmitzten Grinsen. "Die Natur hat ihre eigene Art, mit uns zu kommunizieren. Man muss nur lernen, zuzuhören."

Begeistert von dieser neuen Erkenntnis und erfüllt von einem Gefühl der Zugehörigkeit, nahm Smilla den Apfel fester in ihre Hand und machte sich auf den Weg. Die Sonnenstrahlen brachen durch das dichte Laub des Waldes und zeichneten leuchtende Pfade vor ihr, während sie den Pfad entlanglief, der sie zurück nach Hause führte. Die Geräusche des Waldes begleiteten sie – das Rauschen der Blätter, das ferne Plätschern eines Baches und das gelegentliche Rascheln kleiner Tiere, die im Unterholz verborgen waren.

Zuhause angekommen, fand sie ihre Mutter in der Küche vor, die gerade dabei war, frisches Brot zu backen. Der Duft des Brotes mischte sich mit dem süßen Aroma des Frühlings, das Smilla von draußen mitgebracht hatte. Ihre Mutter blickte auf, ein Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie Smilla sah. "Da bist du ja, mein Schatz. Was hast du heute erlebt?"

Smilla erzählte begeistert von ihrem Abenteuer, von Snorri und den Täubchen, von Alva, der weisen Frau, und dem Fest des Ostara. Ihre Mutter hörte gespannt zu, während sie das Brot aus dem Ofen holte. "Das klingt nach einem ganz besonderen Tag, und fertig ist das Osterbrot." sagte sie liebevoll und nahm den Apfel entgegen, den Smilla ihr reichte. "Dieser Apfel und deine Geschichten bringen Licht in unser Heim."

Am Abend, als die Dämmerung das Land in weiches Licht tauchte, saßen Smilla und ihre Mutter zusammen, teilten den Apfel und schnitten das Osterbrot. Draußen, unter dem funkelnden Sternenhimmel, fühlte sich Smilla als Teil einer unendlichen Geschichte, eingewoben in das magische Geflecht dieser Welt. Die Täubchen, mittlerweile unsichtbar im Dunkel der Nacht, sangen weiterhin ihr Lied – ein Wiegenlied für den Wald, für Smilla und für alle, die Teil dieser ewig währenden Erzählung waren.

In jener Nacht träumte Smilla von einem Tanz unter den Sternen, umgeben von Feen und Tieren des Waldes, ein Tanz, der die Ankunft des Frühlings feierte und das Versprechen des Neuanfangs in sich trug. Und irgendwo, tief im Herzen des Waldes, wusste sie, dass Alva, die weise Frau, über sie wachte, ein Lächeln auf den Lippen, bereit, das Wissen der alten Zeiten an jene weiterzugeben, die bereit waren, zuzuhören und zu lernen.

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