Warum das Exposé kein Schmuckblatt mehr sein darf
Viele Immobilien-Exposés sehen auf den ersten Blick stark aus. Sie zeigen schöne Bilder, ruhige Räume und eine hochwertige Gestaltung. Doch sobald Wohnflächen, Modernisierungen, Energiekennwerte oder Fassungen geprüft werden sollen, zeigt sich oft: Der erste Blick trägt nicht weit genug. In Teil 1 unserer Serie zeigen wir, warum ein Exposé heute mehr sein muss als eine schöne Bildbroschüre.
Gestaltung und Nachweis gehören zusammen
In der Immobilienvermittlung wird das Exposé oft noch vor allem als Verkaufsunterlage verstanden.
Diese Sicht ist nicht falsch. Sie greift aber zu kurz. Natürlich unterstützt ein Exposé den Vertriebsprozess. Es weckt Interesse, macht ein Objekt unterscheidbar und erleichtert den ersten Schritt zum Rückruf oder zur Besichtigung. Gleichzeitig ist das Exposé die nach außen gegebene Fassung der Objektakte. Alles, was dort steht, bekommt Gewicht.
Eine Flächenangabe wirkt im Satzspiegel verbindlicher als in einer losen Notiz. Ein Baujahr wird durch die typografische Platzierung zur Aussage. Eine Modernisierung wird durch die Gestaltung sichtbarer. Ein Grundriss wird zur Orientierung für Käufer, Bank und Makler.
Deshalb muss vor dem Setzen klar sein, welche Angaben getragen sind.
Ein Beispiel macht das deutlich. Ein Einfamilienhaus verfügt über ein ausgebautes Dachgeschoss. Auf den Bildern wirkt der Raum wohnlich. Zu sehen sind vielleicht ein Bett, ein Fenster, helle Wandflächen und ein kleiner Arbeitsbereich. Schnell entsteht daraus der Satz:
Nicht so:
„Zusätzlicher Wohnraum im ausgebauten Dachgeschoss.“
Das liest sich gut und erleichtert scheinbar den Verkauf. Was aber, wenn die Fläche nicht als Wohnfläche nachgewiesen ist? Was, wenn eine Genehmigung fehlt? Was, wenn der Raum zwar genutzt wird, aber in der Flächenberechnung anders behandelt werden muss? Dann wird aus einem werblich angenehmen Satz ein unsicherer Satz.
Besser ist eine Formulierung, die den Zustand beschreibt, ohne mehr zu behaupten, als durch Unterlagen getragen wird:
Sondern so:
„Das Dachgeschoss ist wohnlich ausgebaut und wird derzeit als zusätzlicher Raum genutzt. Die flächenrechtliche Einordnung wird anhand der vorliegenden Unterlagen gesondert geprüft.“
Diese Fassung ist weniger plakativ. Sie ist aber sauberer. Sie zeigt dem Leser, was vorhanden ist. Und sie zeigt zugleich, wo die Prüfung noch eine Rolle spielt. So entsteht Vertrauen. Nicht durch Übertreibung. Sondern durch eine ruhige, ehrliche Darstellung.
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