Verschobene Statik / Primärgewicht
Handgearbeitetes Bildmotiv, komponiert durch analoge Setzung und physische Überlagerung von Bildelementen. Anschließend als hochwertig auf Photokarton reproduziert und matt kaschiert. Präsentation unter Passepartout im Rahmen. Die matte Oberfläche reduziert Reflexion und unterstützt die Wahrnehmung der Schichtung sowie der materiellen Bildtiefe.
Werksnummer:
AB-2024-BAU-081
Künstler:
Bonies, Anselm
Beschreibung:
Reduziertes Werk mit klarer Achsstruktur und gezielten Setzungen von Primärfarben.
Jahr:
2024
Medium:
Handgearbeitetes Bildmotiv, komponiert durch analoge Setzung und physische Überlagerung von Bildelementen. Anschließend als hochwertig auf Photokarton reproduziert und matt kaschiert. Präsentation unter Passepartout im Rahmen. Die matte Oberfläche reduziert Reflexion und unterstützt die Wahrnehmung der Schichtung sowie der materiellen Bildtiefe.
Abmessungen:
20 × 20 cm, Passepartout 30 × 30 cm
Auflage:
nicht limitiert, datiert und handsigniert
Werkgruppe:
Geometrische Statik
Serie:
Rasterbalance - Schnitt / Setzung
Exposé:
Verschobene Statik / Primärgewicht gehört zur Werkgruppe Geometrische Statik / Rasterbalance und untersucht ein zentrales Problem der konstruktiven Bildordnung: Wie lässt sich Gleichgewicht erzeugen, wenn die Elemente nicht symmetrisch verteilt sind? Das Werk arbeitet mit wenigen, klar gesetzten Formen und Farben, verschiebt jedoch ihre Gewichtung so, dass keine starre, geschlossene Harmonie entsteht. Eine horizontale Linie trägt das Bild, eine vertikale Achse setzt einen Einschnitt, während die Farbformen in Rot, Blau und Gelb jeweils eigene Kräfte im Raum entfalten. Gerade durch diese minimale Verschiebung entsteht eine kontrollierte Spannung. Das Werk zeigt keine Ruhe im Sinne von Stillstand, sondern eine Ruhe unter Last — eine Ordnung, die nicht selbstverständlich ist, sondern gehalten werden muss.
Konzept und Relevanz:
Das Werk untersucht Ordnung nicht als gegebenes Raster, sondern als Resultat präziser Setzungen. Entscheidend ist dabei nicht die Anzahl der Elemente, sondern ihre Verteilung, ihre Gewichtung und ihre Beziehung zueinander. Die Komposition zeigt, dass bereits kleine Verschiebungen das gesamte Bildgefüge verändern können. Damit wird das Werk zu einer Untersuchung von Balance als instabilem Zustand: Struktur ist vorhanden, aber sie bleibt offen für Spannung, Abweichung und Neugewichtung. In der Werkpraxis von Anselm Bonies ist dies relevant, weil hier ein Übergang sichtbar wird — weg von der reinen konstruktiven Setzung hin zu einer feineren Wahrnehmung von Kräften, Gegengewichten und stiller Instabilität. Das Werk ist damit nicht nur formal reduziert, sondern auch konzeptuell verdichtet.
Zuordnung der Kunst/Stilrichtung:
Das Werk lässt sich der zeitgenössischen abstrakten Kunst, der konstruktiven Bildpraxis und einem bauhausnahen Minimalismus zuordnen. Es steht in der Tradition jener künstlerischen Positionen, in denen Linie, Fläche, Achse und Farbe nicht illustrativ, sondern ordnungsbildend eingesetzt werden. Zugleich bleibt die Arbeit nicht historisierend, sondern überführt diese Bildsprache in eine gegenwärtige Form reduzierter, präziser Setzung. Die Nähe zu Bauhaus, Konstruktivismus und konkreter Kunst ist deutlich, wird jedoch nicht zitiert, sondern als offene Arbeitsgrundlage weitergeführt.
Platzierungsvorschlag:
Als Wandbild eignet sich das Werk besonders für ruhige, klare und architektonisch strukturierte Räume. Durch das kleine Motivformat im großzügigen Passepartout gewinnt die Arbeit eine konzentrierte Präsenz, ohne den Raum zu dominieren. Sie funktioniert sehr gut in Arbeitszimmern, Fluren, Bibliotheken, Ateliers oder reduzierten Wohnsituationen, in denen Präzision und Stille eine Rolle spielen. Ebenso geeignet ist sie als Auftakt einer seriellen Hängung, da sie den formalen Ton setzt, ohne bereits die gesamte Werklogik auszuschöpfen. Im persönlichen Kontext kann das Werk auch als sorgfältig gewähltes Gastgeschenk oder als erster Berührungspunkt mit der Werkpraxis von Anselm Bonies verstanden werden.
Interpretation und Bedeutung:
Verschobene Statik / Primärgewicht zeigt, dass Balance nicht mit Symmetrie gleichzusetzen ist. Die Arbeit entfaltet ihre Bedeutung aus dem Verhältnis von Traglinie, Einschnitt und Gewichtsfeldern. Der gelbe Kreis wirkt als visuelles Schwergewicht, das rote Element destabilisiert die horizontale Ordnung leicht, während das blaue Rechteck als vertikales Gegengewicht fungiert. So entsteht ein Bild, das ruhig erscheint, aber nicht spannungslos ist. Die Arbeit kann als Reflexion darüber gelesen werden, wie Systeme auch dann bestehen, wenn sie nicht vollkommen ausgerichtet sind. Gerade in dieser kleinen Verschiebung liegt ihre Aussage: Ordnung ist kein idealer Zustand, sondern das Ergebnis fortgesetzter Justierung.
Technik und Material:
Dem Werk liegt ein handgearbeitetes Bildmotiv zugrunde, das durch analoge Setzung und die bewusste Anordnung einzelner Bildelemente entwickelt wurde. Anschließend wurde die Arbeit hochwertig auf Photokarton reproduziert und matt kaschiert. Die matte Oberfläche unterstützt die ruhige Wahrnehmung der Farbflächen und reduziert störende Spiegelungen. In der Präsentation mit weißem Passepartout und schwarzem Rahmen erhält das kleine Format eine klare räumliche Fassung und eine konzentrierte Objektwirkung. Material, Oberfläche und Rahmung sind nicht bloße Träger, sondern Teil der Gesamtwirkung: Sie verstärken die Präzision, Zurückhaltung und architektonische Disziplin des Werkes.
Historischer Kontext und Einfluss:
Das Werk steht in einem nachvollziehbaren Verhältnis zur klassischen Moderne, insbesondere zu Bauhaus, Konstruktivismus und konkreter Kunst. Die Reduktion auf Grundformen, die klare Achsenbildung und die Verwendung von Primärfarben verweisen auf eine Bildauffassung, in der Ordnung als Verhältnis von Linie, Fläche und Farbe gedacht wird. Gleichzeitig übernimmt die Arbeit diese Tradition nicht ungebrochen. Anders als in vielen historischen Vorbildern geht es hier nicht um ideale Harmonie oder vollständige formale Geschlossenheit, sondern um eine offenere, gegenwärtige Vorstellung von Struktur. Die kleine Verschiebung innerhalb der Ordnung ist entscheidend: Sie führt die konstruktive Tradition in eine zeitgenössische Bildsprache über, in der Präzision und Unsicherheit zugleich präsent bleiben.
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